22. Oktober 2025

Wissenschaftscheck: Blutzucker, CGM & personalisierte Ernährung

Inhalts-Übersicht

Willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Wissenschaftschecks. Heute widmen wir uns einem Thema, das in der modernen Stoffwechselforschung eine zentrale Rolle spielt: Blutzucker, kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) und die Frage, wie diese Daten eine personalisierte Ernährung ermöglichen.

Blutzucker: zentraler Regler für Energie, Wohlbefinden und Stoffwechsel

Blutzucker ist der wichtigste Energielieferant unseres Körpers. Er beeinflusst:

  • Energielevel
  • Konzentration
  • Schlafqualität
  • Hungergefühl
  • Entzündungsprozesse
  • langfristige Stoffwechselgesundheit

Schon kleine Schwankungen können spürbare Auswirkungen haben. Studien zeigen, dass postprandiale Glukosespitzen und insbesondere Glukosedips eng mit Müdigkeit, Heißhunger und einer erhöhten Energieaufnahme verbunden sind, unabhängig davon, ob ein Diabetes vorliegt [1].

CGM: Warum kontinuierliches Monitoring neue Einblicke ermöglicht

Moderne CGM‑Systeme (Continuous Glucose Monitoring) ermöglichen eine lückenlose Aufzeichnung des Glukoseverlaufs. Ein aktuelles Scoping Review aus 2024 zeigt, dass CGM präzise Muster des Essverhaltens und der Stoffwechselreaktionen sichtbar macht und damit eine Grundlage für personalisierte Ernährung schafft [2].

CGM zeigt:

  • wie stark der Blutzucker nach einer Mahlzeit ansteigt
  • wie schnell er wieder fällt
  • wie stabil er über den Tag bleibt
  • wie Bewegung, Schlaf, Stress oder Hormone ihn beeinflussen

Diese Daten sind wertvoll, weil sie individuell sind und genau das macht CGM zu einem Schlüsselwerkzeug der modernen Ernährungsmedizin.

GMI: Was der Glukoseverlauf über den HbA1c verrät

Ein wichtiger Wert, der aus CGM‑Daten berechnet wird, ist der GMI (Glucose Management Indicator). Er zeigt, wie der durchschnittliche Glukoseverlauf aussehen würde, wenn man daraus einen HbA1c ableiten könnte.

Der Unterschied:

  • HbA1c: Rückblick auf die letzten 8–12 Wochen
  • GMI: Echtzeit‑Abbild des aktuellen Stoffwechsels

Studien zeigen, dass CGM‑basierte Kennzahlen wie der GMI deutlich schneller auf Veränderungen im Lebensstil reagieren, da sie kurzfristige Veränderungen im Glukoseverlauf widerspiegeln.

In einer randomisierten Studie mit Personen mit Prädiabetes führte die Kombination aus individualisierter Ernährungstherapie und Echtzeit‑CGM‑Feedback innerhalb von nur 30 Tagen zu signifikanten Verbesserungen des GMI, während solche kurzfristigen Veränderungen im HbA1c naturgemäß nicht sichtbar wären [3].

Was Studien zeigen: Ernährung wirkt individuell und CGM macht es sichtbar

Eine systematische Übersichtsarbeit aus 2025 zeigt, dass CGM‑Feedback Menschen dabei unterstützt, Ernährungsentscheidungen gezielt anzupassen und dadurch Glukoseverläufe zu stabilisieren [4].

Weitere Forschung zeigt:

  • Menschen reagieren hochgradig individuell auf dieselben Lebensmittel [6,7].
  • CGM‑Daten verbessern die Ernährungsqualität und fördern gesündere Entscheidungen.
  • In Studien mit Personen mit Prädiabetes führte CGM‑gestützte Ernährung zu besseren Essmustern, höhere Schlafqualität und stabileren Glukosekurven [3,5].

Diese Unterschiede entstehen durch:

CGM macht diese individuellen Muster sichtbar und ermöglicht dadurch eine maßgeschneiderte Ernährungsstrategie.

Personalisierte Ernährung: Warum „One‑Size‑Fits‑All“ nicht funktioniert

Die Forschung zeigt klar: Es gibt keine universell „richtige“ Ernährung.

Zwei Menschen können dieselbe Mahlzeit essen und völlig unterschiedliche Blutzuckerreaktionen zeigen. CGM hilft dabei, herauszufinden:

  • welche Lebensmittel stabilisierend wirken
  • welche zu Peaks führen
  • welche Kombinationen gut funktionieren
  • wie Timing, Bewegung und Stress den Stoffwechsel beeinflussen

Damit wird Ernährung nicht mehr theoretisch, sondern messbar, individuell und alltagsnah.

Fazit

Die aktuelle Evidenz zeigt:

  • Blutzucker beeinflusst Energie, Wohlbefinden und langfristige Gesundheit.
  • CGM macht individuelle Muster sichtbar, die sonst verborgen bleiben.
  • Der GMI ergänzt den HbA1c und zeigt, wie der Stoffwechsel jetzt funktioniert.
  • Ernährung wirkt hochindividuell und CGM ist ein Schlüssel zur personalisierten Ernährung.

Kontinuierliches Blutzuckermonitoring ist damit kein Trend, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug, um den eigenen Stoffwechsel besser zu verstehen und gezielt zu unterstützen.

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Quellen

[1] Wyatt, P., Berry, S. E., Finlayson, G., O’Driscoll, R., Hadjigeorgiou, G., Drew, D. A., … Valdes, A. M. (2021). Postprandial glycaemic dips predict appetite and energy intake in healthy individuals. Nature Metabolism, 3, 523–529.

[2] Brummer, J., Glasbrenner, C., Hechenbichler Figueroa, S., Koehler, K., & Höchsmann, C. (2024). Continuous glucose monitoring for automatic real-time assessment of eating events and nutrition: A scoping review. Frontiers in Nutrition. https://doi.org/10.3389/fnut.2023.1308348

[3] Basiri, R., & Cheskin, L. J. (2024). Enhancing the impact of individualized nutrition therapy with real-time continuous glucose monitoring feedback in overweight and obese individuals with prediabetes. Nutrients, 16(23), 4005.

[4] Bannuru, R. R., Bellini, N. J., Bergenstal, R. M., et al. (2025). Continuous glucose monitoring to guide lifestyle choices with a focus on nutrition in the management of type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis. Journal of Diabetes Science and Technology.

[5] Basiri, R., & Rajanala, Y. (2025). Effects of individualized nutrition therapy and continuous glucose monitoring on dietary and sleep quality in individuals with prediabetes and overweight or obesity. Nutrients, 17(9), 1507.

[6] Zeevi, D. et al. (2015). Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses. Cell, 163(5):1079-1094.

[7] Berry, S. E. et al. (2020). Human postprandial responses are highly variable and driven by microbiome, genetics, and lifestyle. Nature Medicine 26, 964 – 972.

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