Willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Wissenschaftschecks. Heute widmen wir uns einem Thema, das im modernen Leistungssport immer mehr an Bedeutung gewinnt: Wie personalisierte Ernährung die Leistungsfähigkeit, Regeneration und Gesundheit von Profi‑Athletinnen und Athleten optimieren kann.
Warum Ernährung im Leistungssport so individuell ist
Leistungssportler unterscheiden sich stark in:
- Stoffwechselprofil
- Genetik
- Mikrobiom
- Trainingsbelastung
- Stress- und Schlafmustern
- hormonellen Reaktionen
- Energieverbrauch
Ein aktueller Review aus 2025 zeigt, dass diese Faktoren hochgradig individuelle Ernährungsstrategien erfordern, um Leistung und Regeneration zu optimieren [1].
Auch ein Scoping Review aus 2024 bestätigt, dass Wearables und Omics‑Technologien enorme Unterschiede zwischen Athleten sichtbar machen, selbst innerhalb derselben Sportart [2].
Personalisierte Ernährung: Was moderne Forschung darunter versteht
Personalisierte Ernährung im Leistungssport bedeutet:
- Ernährung basierend auf individuellen Biomarkern
- kontinuierliche Anpassung an Trainingsbelastung, Schlaf, Stress und Wettkampfphasen
- Integration von Wearables (z. B. CGM)
- Analyse von Blut-, Urin-, Stuhl- und Metabolomprofilen*
- Berücksichtigung genetischer Unterschiede
Ein Review aus 2025 beschreibt diesen Ansatz als „Network Physiology“ — Ernährung wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Systems aus Stoffwechsel, Nervensystem, Hormonen und Training [3].
Ein weiterer Review aus 2024 zeigt, dass Metabolomics‑Profile detaillierte Einblicke in die individuelle Nutzung von Kohlenhydraten und Fetten während körperlicher Belastung ermöglichen und metabolische Unterschiede zwischen Athleten sichtbar machen [4].
Was Studien zeigen: Vorteile personalisierter Ernährung im Leistungssport
Verbesserte Leistungsfähigkeit
Studien zeigen, dass Athleten, die personalisierte Ernährungsstrategien nutzen, profitieren durch:
- optimierte Kohlenhydratverfügbarkeit
- stabilere Blutzuckerwerte
- bessere Energieverteilung über Training und Wettkampf
- geringere mentale und körperliche Ermüdung
Der Review von Sutehall & Pitsiladis (2025) zeigt, dass personalisierte Ernährung ein vielversprechender Ansatz ist, um Leistungsfähigkeit in Ausdauer‑ und Kraftsportarten zu optimieren, und hebt hervor, dass individuelle Unterschiede in Genetik, Stoffwechsel und Mikrobiom eine zentrale Rolle spielen [1].
Ein systematischer Review aus 2025 zeigt, dass Kohlenhydratsupplementation die Ausdauerleistung signifikant verbessert [5].
Darüber hinaus belegt eine Studie von Carter et al. (2004), dass individuell abgestimmte Kohlenhydratstrategien die Leistung im Radsport um 2–9 % steigern können [6]. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie stark Athleten von personalisierten Kohlenhydratstrategien profitieren können.
Schnellere Regeneration
Personalisierte Ernährung verbessert:
- Muskelregeneration
- Entzündungsmanagement
- Schlafqualität
- hormonelle Balance
Wearable‑Daten wie HRV, GPS oder CGM liefern wertvolle Echtzeitinformationen über Belastung und Regeneration, die zur Individualisierung der Ernährungsstrategien genutzt werden können [2,7].
Verletzungsprävention
Der Review von Prieto et al. (2025) zeigt, dass personalisierte Ernährung auf Basis eines Netzwerkphysiologie‑Ansatzes Athleten dabei unterstützt,
- individuelle Energieverfügbarkeit besser zu verstehen
- Belastungs‑ und Regenerationsreaktionen systemisch einzuordnen
- Ernährungsbedürfnisse im Kontext von Training, Schlaf und Stress zu analysieren
- potenzielle Dysbalancen frühzeitig zu erkennen
Dies ist besonders relevant für Sportarten mit hohem Trainingsvolumen wie Radsport oder Triathlon [3].
Studien zeigen, dass niedrige Energieverfügbarkeit ein wesentlicher Risikofaktor für stressbedingte Verletzungen ist und dass Ernährungsstrategien, die eine ausreichende Energiezufuhr sicherstellen, dieses Risiko deutlich reduzieren können [8,9].
Technologien, die personalisierte Ernährung im Sport ermöglichen
CGM (Continuous Glucose Monitoring)
- zeigt individuelle Reaktionen auf Mahlzeiten
- optimiert Kohlenhydratstrategien vor und während Wettkämpfen
- zeigt Glukoseabfälle
Studien zeigen, dass CGM Athleten hilft, individuelle Glukoseverläufe und kritische Abfälle frühzeitig zu erkennen, was die Anpassung von Ernährungs‑ und Wettkampfstrategien erleichtert [10].
Metabolomics
- identifiziert individuelle Stoffwechselprofile
- zeigt, wie Athleten Fette, Kohlenhydrate und Aminosäuren nutzen
Ein systematischer Review aus 2022 zeigt, dass Metabolomics individuelle Stoffwechselprofile sichtbar macht und damit präzise personalisierte Ernährungsstrategien im Sport ermöglicht [11].
Genomics
- erklärt Unterschiede im Koffein‑Metabolismus
- zeigt genetische Prädispositionen für Verletzungen oder Nährstoffmängel
Eine Studie zeigt, dass genetische Unterschiede im Koffein‑Metabolismus die Leistungswirkung von Koffein um bis zu 14 % variieren lassen [12].
Wearables
- HRV‑Daten zur Regeneration
- GPS‑Daten zur Belastungssteuerung
Diese Technologien bilden die Grundlage für präzise, dynamische Ernährungsstrategien, die sich täglich anpassen lassen [2].
Warum „One‑Size‑Fits‑All“ im Leistungssport nicht funktioniert
Die Forschung zeigt klar:
- Zwei Athleten können dieselbe Mahlzeit essen und völlig unterschiedliche Leistungsreaktionen zeigen.
- Standardisierte Ernährungspläne ignorieren individuelle Unterschiede im Stoffwechsel.
- Personalisierte Ernährung führt zu besseren Ergebnissen, weil sie auf realen Daten basiert, nicht auf Durchschnittswerten.
Der Review von 2025 betont, dass personalisierte Ernährung im Leistungssport kein Trend, sondern eine notwendige Weiterentwicklung ist [1].
Fazit
Die aktuelle Evidenz zeigt:
- Leistungssportler profitieren erheblich von personalisierten Ernährungsstrategien.
- Moderne Technologien wie CGM, Wearables und Omics machen individuelle Muster sichtbar.
- Personalisierte Ernährung verbessert Leistung, Regeneration und Gesundheit.
- Standardpläne reichen nicht aus, Präzision ist der neue Standard im Profisport.
Personalisierte Ernährung ist damit ein Schlüsselwerkzeug, um Athleten auf das nächste Leistungsniveau zu bringen.
* Ein Metabolomprofil beschreibt die Gesamtheit aller kleinen Moleküle (Metabolite) im Körper, z. B.: Glukose, Laktat, Aminosäuren, Fettsäuren, Ketonkörper, Hormone, Entzündungsmarker.
Hier klicken, um mehr zum Thema Personalisierte Optimalernährung im Profi- und Leistungssport in unserem Blog zu lesen!
Quellen
[1] Sutehall, S., & Pitsiladis, Y. (2025). Personalized Nutrition for the Enhancement of Elite Athletic Performance. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 35(4):e70044. [2] Bedrač, L. et al. (2024). Towards Precision Sports Nutrition for Endurance Athletes: A Scoping Review of Omics and Wearables Technologies. Nutrients, 16(22), 3943. [3] Prieto, A., Lizarraga, M. A., & Balagué, N. (2025). Personalized Nutritional Assessment and Intervention for Athletes: A Network Physiology Approach. Nutrients, 17(23):3657. [4] Qi, S., Li, X., Yu, J., & Yin, L. (2024). Research advances in the application of metabolomics in exercise science. Frontiers in Physiology, 14, 1332104. [5] dos Santos, L. C., de Moura Costa, C., de Moura, R. C., Silvino, V. O., dos Santos, M. A. P., & Brandão, A. de C. A. S. (2025). Effects of carbohydrate supplementation on the performance of endurance athletes: A systematic review. Clinical Nutrition ESPEN, 68, 198–205. [6] Carter, J. M., Jeukendrup, A. E., & Jones, D. A. (2004). The effect of carbohydrate mouth rinse on 1‑h cycle time trial performance. Medicine & Science in Sports & Exercise, 36(12), 2107–2111. [7] Lundstrom, C. J., Foreman, N. A., & Biltz, G. (2023). Practices and applications of heart rate variability monitoring in endurance athletes. International Journal of Sports Medicine, 44(1), 9–19. [8] Kim, D. R., & Weber, K. (2023). Relative Energy Deficiency in Sport (RED‑S) and bone stress injuries. Operative Techniques in Sports Medicine, 31(3), 151025. [9] Gallant, T.L., Ong, L.F., Wong, L. et al. (2025). Low Energy Availability and Relative Energy Deficiency in Sport: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med 55, 325–339. [10] Flockhart, M., & Larsen, F. J. (2023). Continuous Glucose Monitoring in Endurance Athletes. Sports Medicine, 54(2):247-255. [11] Khoramipour, K., Sandbakk, Ø., Keshteli, A. H., Gaeini, A. A., Wishart, D. S., & Chamari, K. (2022). Metabolomics in exercise and sports: A systematic review. Sports Medicine, 52(3), 547–583. [12] Guest, N. et al. (2018). Caffeine, CYP1A2 genotype, and endurance performance in athletes. Medicine & Science in Sports & Exercise, 50(8), 1570–1578.Weitere Artikel
Trotz L‑Thyroxin bleiben Beschwerden oft bestehen, weil die autoimmune Aktivität nicht ausreichend adressiert wird. Eine…
Aktuelle Studien zeigen enge Zusammenhänge zwischen Hashimoto, Darmmikrobiota und Mikronährstoffstatus. Nährstoffe wie Vitamin D, Selen, Eisen…
Das Mikrobiom steuert zentrale Prozesse wie Immunregulation, Stoffwechsel und Entzündungsdynamiken. Moderne Analysen machen Dysbiosen sichtbar…


