Ernährungsphysiologie ist die Wissenschaft von der Aufnahme, Verwertung und Wirkung von Nährstoffen im menschlichen Körper. Ihr Ziel: Energie- und Nährstoffbedarf zu decken, Gesundheit erhalten, Leistungsfähigkeit fördern und Krankheiten vorbeugen – individuell angepasst an Alter, Genetik, Lebensstil und Gesundheitsstatus [1].
In einer Zeit, in der chronische Erkrankungen zunehmen und Ernährung immer komplexer wird, liefert die Ernährungsphysiologie die wissenschaftliche Grundlage für eine Ernährung, die nicht nur versorgt, sondern gezielt reguliert, schützt und heilt.
Was untersucht die Ernährungsphysiologie?
Die Ernährungsphysiologie analysiert alle biologischen Prozesse, die mit der Ernährung zusammenhängen – von der Verdauung bis zur zellulären Verwertung. Dazu gehören:
- Nahrungsaufnahme und Verdauung
Wie Nährstoffe aus der Nahrung freigesetzt und vorbereitet werden. - Resorption und Bioverfügbarkeit
Wie gut Nährstoffe tatsächlich aufgenommen und verwertet werden – abhängig von Darmgesundheit und Mikrobiom [2]. - Stoffwechselprozesse
Wie Makro- und Mikronährstoffe in Energie, Zellbausteine und Regulationsstoffe umgewandelt werden [1]. - Zelluläre Funktionen
Enzymaktivität, Membranfunktion, hormonelle Steuerung und Signalweiterleitung. - Individueller Bedarf
Abhängig von Lebensphase, Belastung, Genetik, Stresslevel und Krankheitsstatus [3, 4].
Warum ist Ernährungsphysiologie heute besonders relevant?
Laut dem 15. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, 2024) sind viele chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden und Adipositas eng mit Fehlernährung verbunden [5]. Dabei geht es nicht nur um Kalorien, sondern um die Qualität und Verwertbarkeit der Nährstoffe.
Auch die Darmgesundheit spielt eine zentrale Rolle: Eine gestörte Mikrobiota kann die Resorption behindern und Entzündungsprozesse fördern. Studien zeigen, dass fermentierte Lebensmittel, Präbiotika und ballaststoffreiche Kost die Bioverfügbarkeit verbessern und das Immunsystem stärken [6].
Der Trendreport Ernährung 2025 bestätigt:
- Personalisierte Ernährung – abgestimmt auf Genetik, Mikrobiom und Laborwerte – ist einer der wichtigsten Zukunftstrends [4, 6].
- Funktionelle Lebensmittel mit Zusatznutzen (z. immunstärkend, blutzuckerfreundlich) gewinnen an Bedeutung [7].
- Pflanzenbasierte Ernährung mit hoher Nährstoffdichte wird als präventiv und nachhaltig bewertet.
Wichtige Begriffe der Ernährungsphysiologie
Energie / Energiebedarf
Damit der Körper funktionieren kann, benötigt er Energie. Energiequellen aus der Nahrung sind Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Ballaststoffe und Alkohol. Die Maßeinheit für Energie sind Kalorien oder Joule.
Brennwerte der energieliefernden Nährstoffe (Makronährstoffe):
- Kohlenhydrate
Liefern 4,0 Kilokalorien pro Gramm (kcal/g ) bzw. 17 kJ/g - Fette
Liefern 9,0 kcal/g bzw. 37 kJ/g - Proteine
4 kcal /g - Ballaststoffe
Liefern 2,0 kcal/g bzw. 8 kJ/g - Alkohol
Liefert 7,0 kcal/g bzw. 29 kJ/g
Nicht-energieliefernde Nährstoffe (Mikronährstoffe): Dazu gehören Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente, Wasser und Nahrungsfasern (Ballaststoffe).
Der Energiebedarf des menschlichen Organismus errechnet sich aus dem Grundumsatz, dem Arbeitsumsatz, der nahrungsinduzierten Thermogenese sowie der Energie für die Anpassung an bestimmte Lebensbedingungen (Stress, Wachstum, Krankheit).
Nährstoffbedarf
Der Nährstoffbedarf eines Menschen ist die Summe der Nahrungsstoffe, die für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen und somit für eine optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit benötigt werden. Dieser Bedarf ist sehr individuell und hängt von mehreren Faktoren (körperliche Zusammensetzung, Geschlecht, Genetik, Stress, etc.) ab.
Nährstoffdichte
Die Nährstoffdichte nimmt einen besonderen Stellenwert innerhalb der Ernährungsphysiologie ein. Sie bezeichnet das Verhältnis von Nährstoffgehalt zu Brennwert (Energiegehalt) eines Lebensmittels (mg/kcal). Lebensmittel mit einem niedrigen Energiegehalt, aber einem hohen Nährstoffgehalt, besitzen eine hohe Nährstoffdichte. Beispiele sind Gemüse, Beeren, Pilze und Kräuter. Im Gegensatz dazu gibt es Lebensmittel, die einen hohen Energiegehalt und einen niedrigen Nährstoffgehalt aufweisen. Diese Lebensmittel, wie zum Beispiel Süßwaren, Zucker, Limonaden, besitzen eine niedrige Nährstoffdichte. Günstig für den Körper ist eine hohe Nährstoffdichte.
Bioverfügbarkeit
Die Bioverfügbarkeit beschreibt den Anteil eines Nährstoffs, der nach der Aufnahme tatsächlich im Blutkreislauf ankommt und für physiologische Prozesse zur Verfügung steht. Sie hängt maßgeblich von der Darmsituation, der Mikrobiota, der Zubereitungsform und den individuellen Stoffwechselprozessen ab. So kann z. B. Eisen aus tierischen Quellen besser aufgenommen werden als aus pflanzlichen, es sei denn, die Aufnahme wird durch Vitamin C gezielt verbessert. Auch Medikamente, Entzündungen oder bestimmte Lebensmittelkombinationen können die Bioverfügbarkeit hemmen oder fördern. Eine hohe Bioverfügbarkeit bedeutet, dass der Körper die zugeführten Nährstoffe effizient nutzen kann. Dies besonders bei therapeutischen Supplementen und funktionellen Lebensmitteln entscheidend.
Personalisierung
Die Personalisierung in der Ernährungsphysiologie bezeichnet die gezielte Anpassung der Ernährung an die individuellen biochemischen und physiologischen Besonderheiten eines Menschen. Grundlage dafür sind genetische Prädispositionen, Mikrobiomprofile, Laborwerte, Lebensstilfaktoren und bestehende Erkrankungen. Ziel ist es, nicht pauschale Empfehlungen zu geben, sondern eine Ernährung zu gestalten, die den tatsächlichen Bedarf deckt, Symptome lindert und die Regulationsfähigkeit des Körpers stärkt. Personalisierte Ernährung berücksichtigt z. B. Leaky-Gut-Syndrom, metabolisches Syndrom, Autoimmunerkrankungen, Neurotransmitter-Ungleichgewicht, Intoleranzen/ Unverträglichkeiten, hormonelle Dysbalancen und Mikronährstoffmängel. Sie ist besonders relevant in der Prävention und Therapie chronischer Erkrankungen und bildet die Basis für Ihre DEINKOST-ID.
Fazit: Ernährung als Schlüssel zur Gesundheit
Die Ernährungsphysiologie ist heute mehr denn je ein Schlüssel zur Gesundheitsförderung. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit individueller Anwendung, von der Prävention bis zur Therapie. In der Praxis bedeutet das: Ernährung ist nicht nur Versorgung, sondern gezielte Regulation.
Bei DEINKOST beraten wir Sie ganzheitlich und wissenschaftlich fundiert – abgestimmt auf Ihre individuellen biochemischen und physiologischen Besonderheiten.
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Quellen
[1] Biesalski, H.K., Grimm, P., Nowitzki-Grimm, S. (2021). Ernährungsmedizin – Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme. [2] Hauner, H., Schulze, M.B., Roden, M. (Hrsg.) Ernährung und Prävention – Grundlagen, Forschung und Anwendung. Berlin: Springer; 2020. [3] Gärtner, R., et al. Mikronährstoffe – Prävention und Therapie mit Vitalstoffen. 3. Auflage. München: Elsevier; 2022. [4] Zeisel, S.H., et al. Precision Nutrition: Impact of Nutritional Genomics and Microbiome on Personalized Diets. In: Annual Review of Nutrition. 2023;43:1–25. → Aktuelle internationale Übersicht zur personalisierten Ernährung auf Basis genetischer und mikrobieller Profile. [5] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). 15. Ernährungsbericht. Bonn: DGE; 2024. [6] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). BLE – Pressemitteilungen – Neuer Trendreport Ernährung 2025 erschienen. Bonn: BLE; 2025. [7] Nutrition Hub & Lebensmittelverband Deutschland (2025). Die zehn wichtigsten Ernährungstrends 2025. Berlin: Nutrition Hub.Weitere Artikel
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