25. Dezember 2025

Wissenschaftscheck – Hashimoto

Inhalts-Übersicht

Herzlich Willkommen zu unserem neuen Format, dem „Wissenschaftscheck“. Hier präsentieren wir Ihnen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschiedenen Gesundheitsthemen und stellen diese verständlich für Sie dar. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden über die neuesten Studien und Forschungsergebnisse! Unser Motto lautet: „Wir liefern das Wissen, Sie schaffen die Veränderung!“   

Heute widmen wir uns der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis:   

Auslöser

Darmgesundheit:

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Ursachen. In den letzten Jahren wurde vermehrt ein möglicher Zusammenhang zwischen der Entstehung von Hashimoto und einer gestörten Darmflora untersucht. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Hashimoto niedrigere Mengen an nützlichen Bakterien wie Laktobazillen und Bifidobakterien in ihrer Darmflora aufweisen. Gleichzeitig sind die Mengen an pathogenen Bakterien, wie zum Beispiel Bacteroides fragilis, erhöht [1]. Es besteht jedoch noch keine endgültige Klärung darüber, wie genau eine gestörte Darmflora die Entwicklung oder den Verlauf von Hashimoto Thyreoiditis beeinflusst. Dennoch verdichten sich die Anzeichen für einen möglichen Zusammenhang.  

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten zudem auf die Existenz einer funktionellen Schilddrüsen-Darm-Achse hin. Diese beschreibt die Wechselwirkung zwischen Darmmikrobiota, Immunregulation und Schilddrüsenfunktion. Eine Dysbiose kann dabei nicht nur die Immunantwort verändern, sondern auch die Darmbarriere schwächen („Leaky Gut“), die Entzündungskontrolle beeinträchtigen und somit den Autoimmunprozess begünstigen. Darüber hinaus beeinflusst die bakterielle Aktivität im Darm direkt den Schilddrüsenhormonspiegel, etwa durch Deiodinaseaktivität oder TSH-Hemmung.

Die Mikrobiota reguliert außerdem die Aufnahme wichtiger Mikronährstoffe wie Jod, Selen, Zink und Eisen, die für die Schilddrüsenfunktion essenziell sind. Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora können somit auch die Verfügbarkeit dieser Mineralien beeinträchtigen. Auch die Schilddrüse selbst scheint über hormonelle und neuroimmunologische Mechanismen, wie z. B. Melatonin, Einfluss auf die Mikrobiota zu nehmen. [2]

Nährstoffe

Vitamin D: In einem systematischen Review* untersuchten Wissenschaftler den Einfluss von verschiedenen Nährstoffen auf die Krankheitsentwicklung der Hashimoto- Thyreoiditis. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Versorgung mit Vitamin D maßgeblich mit der Höhe der Thyreoperoxidase-Antikörper zusammenhängt. So haben Patienten mit Hashimoto häufiger niedriger Vitamin D Spiegel als die Normalbevölkerung [3]. Eine ausreichende und an die Lebensumstände angepasste Versorgung mit Vitamin D ist daher essenziell.  

Selen: Dass Selen für die Schilddrüse wichtig ist, ist schon länger bekannt. Der aktuelle Stand der Forschung belegt eindeutig, dass niedrige Selenspiegel ein Risiko für die Entstehung von Hashimoto darstellen [4]. In einem großangelegten Review konnten zusätzlich positive Effekte einer Selen Supplementation auf die Entzündungsprozesse in der Schilddrüse nachgewiesen werden [5]. Eine übermäßige Selenaufnahme kann jedoch zu Toxizität führen. Daher sollte die Supplementierung moderat und auf den Einzelnen zugeschnitten sein.

Eisen: Neuste Studien zeigen, dass ein Eisenmangel zu einer Störung des Immunsystems führt und die Zerstörung von Schilddrüsengewebe begünstigt. Eisen scheint daher eine zentrale Stellschraube bei der Entstehung von Hashimoto darzustellen [6]. Es ist daher besonders wichtig, mittels einer umfassenden Diagnostik, den individuellen Bedarf an Eisen zu ermitteln. 

Jod: Auch die Jodversorgung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Hashimoto-Thyreoiditis. Studien zeigen, dass ein leichter Jodmangel mit einer geringeren Krankheitshäufigkeit verbunden sein kann, während eine langfristig überhöhte Jodzufuhr das Risiko für Hashimoto deutlich erhöht. Ein möglicher Grund dafür ist, dass stark jodiertes Thyreoglobulin die Immunreaktivität innerhalb der Schilddrüse steigert und somit ein entzündungsförderndes Milieu schafft. Gleichzeitig kann ein ausgeprägter Jodmangel die Autoimmunität der Schilddrüse ebenfalls verstärken [7]. Eine bedarfsgerechte, individuell angepasste Jodzufuhr ist daher entscheidend für die Schilddrüsengesundheit.

Behandlung 

L-Thyroxin: Die Standardtherapie der Schulmedizin bei Hashimoto ist die Gabe von L-Thyroxin, um die Schilddrüsenhormone ins Gleichgewicht zu bringen. Häufig sollen Patienten L-Thyroxin ein Leben lang einnehmen und die eigentlichen Ursachen werden nicht behandelt. In den letzten zehn Jahren konnten immer mehr Nebenwirkungen von L-Thyroxin aufgedeckt werden. Mittlerweile gibt es aussagekräftige Studien, die zeigen, dass die Einnahme von L-Thyroxin das Risiko für viele verschiedene Krebsarten erhöht. Es wird vermutet, dass durch eine Überdosierung von L-Thyroxin vermehrt oxidativer Stress produziert wird, der die Entstehung von Krebs begünstigt [8].    

Hier klicken um mehr zum Thema Hashimoto in unserem Blog zu erfahren!

*Review: Zusammenfassung mehrerer Studien zum gleichen Thema  

[1] Gong B, Wang C, Meng F, Wang H, Song B, Yang Y, Shan Z. (2021). Association Between Gut Microbiota and Autoimmune Thyroid Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. Front Endocrinol (Lausanne). 12:774362. 

[2] Danailova Y, Velikova T, Nikolaev G, Mitova Z, Shinkov A, Gagov H, Konakchieva R. (2022). Nutritional Management of Thyroiditis of Hashimoto. Int J Mol Sci. 23(9):5144. 

[3] Mikulska AA, Karaźniewicz-Łada M, Filipowicz D, Ruchała M, Główka FK. (2022). Metabolic Characteristics of Hashimoto’s Thyroiditis Patients and the Role of Microelements and Diet in the Disease Management-An Overview. Int J Mol Sci. 23(12):6580. 

[4] Wang F, Li C, Li S, Cui L, Zhao J, Liao L. (2023). Selenium and thyroid diseases. Front Endocrinol (Lausanne). 14:1133000. 

[5] Wang YS, Liang SS, Ren JJ, Wang ZY, Deng XX, Liu WD, Yan YL, Song GH, Li XX. (2023). The Effects of Selenium Supplementation in the Treatment of Autoimmune Thyroiditis: An Overview of Systematic Reviews. Nutrients. 15(14):3194. 

[6] Szklarz M, Gontarz-Nowak K, Matuszewski W, Bandurska- Stankiewicz E. (2022). Iron: Not Just a Passive Bystander in AITD. Nutrients. 14(21):4682. 

[7] Kaur J, Jialal I. (2025). Hashimoto-Thyreoiditis. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Verlag; 2025 Jan–. PMID: 29083758.

[8] Wu, C. C., Islam, M. M., Nguyen, P. A., Poly, T. N., Wang, C. H., Iqbal, U., Li, Y. C., & Yang, H. C. (2021). Risk of cancer in long-term levothyroxine users: Retrospective population-based study. Cancer Science, 112(6), 2533-2541.

Kategorien und Tags zu diesem Beitrag

Weitere Artikel